Aufruf

Deutschland? Nie Wieder! 70 Jahre Befreiung vom Nationalsozialismus

Der 08. Mai 2015 ist der 70. Jahrestag der Kapitulation der deutschen Wehrmacht und damit auch das Ende des bisher größten Verbrechens an der Menschheit: Dem Nationalsozialismus.
Ein Krieg, wie ihn die Menschheit vorher noch nicht gesehen hat, sowie die systematische, industrielle Ermordung von 9 Millionen Menschen in den Konzentrationslagern waren endlich vorbei.

Durch den Sieg der Alliierten wurde jedoch nicht der Faschismus überwunden; Antisemitismus, Rassismus und das Konstrukt einer Herrenrasse reichten auch nach dem 08. Mai noch weit in die Nachkriegsgesellschaft hinein. Auch heute kann noch längst nicht von einer Überwindung dieser Zustände gesprochen werden.

Neben einer ideologischen Kontinuität, bekamen auch viele deutsche TäterInnen* schnell ihre alten Posten in Politik, Verwaltung und Justiz zurück und waren damit maßgeblich am Wiederaufbau Deutschlands beteiligt. TäterInnen wurden freigesprochen, ihre Taten vertuscht, oder sie wurden ganz einfach wieder in alten Positionen eingesetzt, ohne dass ihre Nazi-Vergangenheit hier einen Nachteil für sie darstellte.

Ein Beispiel dafür ist der Münsteraner Heinrich Austermann: Während der NS-Zeit war dieser für die „Arisierung“ jüdischen Eigentums zuständig. Damit war er hauptverantwortlich für das Beschlagnahmen und Verteilen jüdischen Grundbesitzes. Nach der NS-Zeit schloss er sich der CDU an und wurde zum Münsteraner Stadtrat. Trotz seiner Nazi-Vergangenheit wurde Austermann 1973 mit dem großen Verdienstkreuz der BRD ausgezeichnet und zum Ehrenbürger der Stadt Münster ernannt. Im Jahr 1989 wurde in Münster ihm zu Ehren eine Straße benannt, die auch bis heute seinen Namen trägt. Obwohl der Stadt die Rolle Austermanns im NS durchaus bekannt ist, hat sie offenbar keinerlei Interesse daran, daraus Konsequenzen zu ziehen. An dieser Stelle an die angeblich lebenswerteste Stadt der Welt ein herzliches, “Fuck You!”

In ihrem zweifelhaften Umgang mit der eigenen Vergangenheit steht die Stadt Münster allerdings nicht alleine da: Die Prioritätensetzung des staatlichen und gesellschaftlichen Gedenkens zeigt sich zum Beispiel jährlich bei den Einheitsfeierlichkeiten zum 3. Oktober: Während dem 8. Mai mit Glück eine Schweigeminute im Bundestag eingeräumt wird, ist der Tag des Mauerfalls zu einem gesetzlichen Feiertag erklärt worden und wird jährlich mit zahlreichen Veranstaltungen zelebriert. Diese Art des Gedenkens stellt die DDR als „größeres Übel“ der deutschen Geschichte dar, und verharmlost damit die Verbrechen des Nationalsozialismus. In diesem Zusammenhang wird auch oft die Forderung laut, endlich einen Schlussstrich unter die NS-Vergangenheit Deutschlands zu setzen. Dies bedeutet einerseits nicht weniger als die Opfer des Nationalsozialismus zu vergessen und die industrielle Ermordung von 6.000.000 Jüd*innen einfach aus dem kollektiven Gedächtnis zu streichen. Andererseits werden damit die Kontinuitäten faschistischer Ideologie und Kräfte im Nachkriegsdeutschland verschleiert und deren gesellschaftliche Grundlage ignoriert: Es waren nicht Hitler oder die NSDAP, es war die gesamte deutsche Gesellschaft, die den NS nicht nur mitgetragen, sondern auch aktiv umgesetzt hat.

Nationalismus als Kernelement ausgrenzender bürgerlicher Ideologie hat sich jedoch auch in der kurzen Zeit der wiedervereinigten BRD gewandelt. Wurde vorher hauptsächlich von liberal-konservativer Seite offen ein positives Verhältnis zur Nation gefordert, so hat sich dies spätestens seit der Männer-Fußball WM 2006 geändert. Ab diesem Zeitpunkt und auch durch die Form eines nationalen Großevents, wurde flächendeckend von einem „neuen, positiven Patriotismus“ gesprochen. Egal, ob es nun nationalistische Burschenschaften oder „fröhliche Fußballpatrioten“ sind: Der positive Bezug auf die eigene Nation schließt eine systematische Abwertung Anderer mit ein und findet sich vor allem als ideologisches Fundament neu-rechter Mobilisierungen wieder.
Das eben dieser Mobilisierung folgende Klientel, setzt sich aus einer heterogenen Masse der Gesellschaft zusammen, welche sich verschiedenster rassistischer Argumentationsmuster bedient. Waren es früher, gerade auch im Nationalsozialismus, biologistische Ansätze, so wird heute vor allem, aber nicht ausschließlich über kulturelle Ansätze versucht, rassistisch zu argumentieren.
Rechte Mobilisierungen dieser Art sind in den letzten Jahren massiv gestiegen, gleichzeitig hat sich der gesellschaftliche Diskurs immer weiter nach rechts verschoben. Beispielhaft hierfür ist der immense Anstieg von rassistischen Angriffen auf Personen, sowie auf Flüchtlingsheime.

Dieser Anstieg rassistischer Gewalt, sowie rechtspopulistischer Politik zeigt deutlich, dass Antifaschismus nach wie vor ein wichtiger Bestandteil linksradikaler Politik sein muss!
Auch wenn wir heute unter anderen Bedingungen leben und kämpfen als damalige Antifaschist*innen: Es ist nach wie vor notwendig ein Erstarken reaktionärer Kräfte zu verhindern, sowie eine emanzipatorische Perspektive jenseits von Staat, Nation & Kapital sichtbar zu machen und diese zu erkämpfen.

Nie wieder Deutschland!
Wir sind alles Antifaschist*innen!
Für eine befreite Gesellschaft!

Zeichnung-1

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.